Ps 130 – Gebet aus der Tiefe

Der Psalm 130 ist ein ganz besonderer Psalm. Er hat geradezu Kirchengeschichte geschrieben. In der Neuübersetzung dieses Psalmes aus dem Hebräischen hat Martin Luther nämlich die paulinische Rechtfertigungslehre auch im Alten Testament entdeckt, das heißt die Rechtfertigung des Sünders aus Gnade allein, die durch keinerlei guten Werke erlangt werden kann. Luthers Nachdichtung des Bußpsalms in dem alten Kirchenlied „Aus tiefer Not ruf ich zu dir“, Evangelisches Kirchengesangbuch Nr. 299, fasst diese reformatorische Erkenntnis kunstvoll zusammen.

Eine Predigt vom 22.04.2012 gehalten in der Immanuelgemeinde in Frankfurt-Sachsenhausen.

Das Kunstwerk auf dem Photo trägt übrigens den Titel “Momentary Monument IV” und wurde von der italienischen Künstlerin Lara Favaretto (39) errichtet. Sie hat für das weit ausladende Monument Schrott aus Deponien und Recyclinganlagen verwendet. Reste von Kühlschränken, Autos und Motoren sind sichtbar. Bei vielen Resten kann man nur mühsam erahnen, wozu sie mal gut waren als sie noch funktionierten. Mit dieser Landschaft aus Metallschrott will die Künstlerin eine Beziehung zwischen dem documenta-Ort Kassel und der afghanischen Hauptstadt Kabul herstellen. Dies ganz im Sinne des Mottos der documenta 13 “Zusammenbruch und Wiederaufbau”. Bis kurz vor der Eröffnung der Weltkunstschau hat Lara Favaretto an der Gestaltung der Metall-Landschaft gearbeitet. Das “Momentary Monument IV” befindet sich am Ende des nordseitigen Bahnhofgeländes zirka 150 Meter hinter dem ehemaligen Zollamt. (zum Zeitungsartikel …)

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4 Antworten auf „Ps 130 – Gebet aus der Tiefe“

  1. Dein unkomplizierter Umgang mit Gott und dem ganzen “Gedöns”, das zu einem christlichen Leben dazugehört, ist einfach erfrischend und ermutigend. Immer wieder eine tolle Einstellung, die ich mir gerne antue^^ Ob ich nur jemals an den Punkt kommen werde, Gott als Freund zu entdecken?!…das wäre schon irgendwie verrückt… Herzliche Grüße und weiter so! S.

  2. Liebe(r) Calm Sunset,

    mir geht es da recht ähnlich. Ich bin auch ein Solochrist. Und das “mache,mache, Häusle des Herrn baue” in vielen Gemeinden habe ich als unerträglich erlebt. Ich empfand es immer als widersprüchlich. Einerseits wird da ein Gott gepredigt, der deinen Sturm zur Ruhe bringt und der dich begnadigt, andererseits ist die Praxis in solchen Gemeinden oft ein hektisches Leistungsgewurschtel. Und natürlich habe ich immer wieder an der Frage gelitten: Was denn nun? Gesetz oder Gnade? Oder ein bisschen Gesetz und ein bisschen Gnade? In der gemeindlichen “real-existierenden” Christenpraxis kann das total zermürbend sein. Ich musste mich von Gemeinden und Predigern etc. ertsteinmal völlig lösen. So langsam komme ich bei der Erkenntnis an, dass Gott mich tatsächlich liebt. Dass er ein “Ja” in meine Richtung ausschickt. Und dieses “Ja” WIRD NIE MEHR WEGGENOMMEN!!!!!!!!!!! Auch dann nicht, wenn ich den 10. nicht zahle, nie mehr in der Bibel lese und den Pastor nicht mehr für seine schöne Rasur lobe 😉 (das geht an Mickey!) Man kann irgendwann nur eine Entscheidung für sich selber treffen, ob man an Gnade oder Gesetz glauben möchte, denn Bibelstellen, die das eine unterstreichen gibt es ebenso, wie auch solche, die das andere unterstreichen. Ich habe mich der Gnade geöffnet, denn nur unter und mit ihr kann ich leben, atmen, sein! Das Einhalten von Geboten ist auf jeden Fall nicht die Voraussetzung für Gottes Liebe. Ja, Jesus erzählt das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen und setzt damit den Wert der Wachsamkeit als Ideal. Glechzeitug weiß er aber auch, dass niemand dieses Ideal erfüllen kann!!! Im Garten Gethsemane ermahnt er seine Jünger drei Mal (!!!) nicht einzuschlafen…und sie tun es trotzdem. Als er verhaftet wird, schlägt Petrus dem Wachmann ein Ohr ab und beweist dadurch, dass er die Lehren seines Meisters entweder nicht verstanden hat oder nicht beherzigt. Als Jesus abgeführt wird, fliehen alle Jünger. Petrus verleugnet ihn drei Mal, obwohl er vorher vollmundig versprochen hatte, ihm ins Gefängnis und sogar in den Tod folgen zu wollen. Liebe(r) Calm Sunset, wenn es im neuen Testament ums Richtigmachen und das erfolgreiche Einhalten von Geboten ginge, würden ja alleine schon die Jünger mal ganz schlecht abschneiden. Und sie waren doch auserwählt, das Geheimnis des Reiches Gottes zu kennen!!! Wenn nicht sie bestehen können, wer dann!? Ja eben. Niemand nämlich. Daraus folgt nun nicht “Ja, siehste doch, der Mensch ist schlecht und ein Versager!”, nein, für Gott heißt das: “Der Mensch ist, was er ist, schwach, wankelmütig, brüchig, aber auch empfindsam, empfänglich, liebevoll und mitleidig.” Und Gott neigt sich in all seiner Liebe, in all seiner Gnade seinem Geschöpf entgegen und sagt: “Weine doch nicht. Es ist doch gut. Ich hab dich lieb und du musst dafür nichts tun.” Wir sind in der Gnade getragen. Dies zu fühlen entlastet und macht froh. Alles andere ist meiner Einschätzung nach ein falsch gepredigtes/gelebtes Evangelium. Denn erst, wenn wir vom Müssen zum Dürfen kommen, erst wenn wir zum Bewusstsein des Geliebtwerdens kommen, kann auch durch uns Liebe fließen. Leonard Cohen hat mal geschrieben: “Schlag die Glocke, die noch klingt. Vergiss dein großes Heiligsein. Da ist ein Riss, ein Riss in jedem Ding. So kommt das Licht herein.” Erst unsere unperfektheit kann uns zu Liebenden machen…

    Alles Gute und Liebe für dich.

    Zum Schluss noch ein Gedicht, das ich vor einiger Zeit schrieb.

    Der nahe Gott

    Du sahst ihn hoch im Richterstuhl und weit von dir entfernt,
    du sahst ihn dich zerschmettern, so hast du es gelernt,
    du meintest ihn zu kennen, der kein Erbarmen kennt,
    der Sodom und Gomorrha nicht schont, sondern verbrennt.

    Du hattest keine Hoffnung, du warst niemals genug;
    Gebote einzuhalten, endete im Selbstbetrug.
    Dein falsches Ich im Spiegel, es widerte dich an,
    du glaubtest nicht, dass Liebe dich noch erlösen kann.

    Du hattest Furcht vor Gott, um nicht zu sagen, Angst,
    warst immer auf der Flucht, wenn du vor Strafen bangst,
    kamst niemals ihm entgegen, die Leiter nicht hinauf,
    es war ein armes Leben, ein hoffnungsloser Lauf.

    Doch dann nahm Gott die Binde von deinen Augen fort,
    und zeigte dir Jerusalem, den grünen Segensort.
    Er war vor deiner Haustür, und Gott dein Tischgesell,
    das Licht der Gnade macht dein Herz nun endlich wieder hell.

    Du musst nicht höher klettern, um Himmelslicht zu seh’n,
    dein Gott, er wagt den Abstieg, wird dir entgegen geh’n.
    Mein Kind, du bist gerettet, er liebt dich ohne Grund,
    und macht dir Herz und Seele und Geist heil und gesund.

    Die Stürme sind vorüber, du lachst und tanzt erneut.
    Kannst sicher sein, dass Jesus sich an dem Kind erfreut,
    das er gerettet eben vorm tödlichen Schafott.
    Er ist kein ferner Richter, er ist der nahe Gott.

    © by Patrick Rabe

  3. Sehr schön diese Beschreibung der Gnade im AT. Danke Mickey. Denn auch ich habe sie gerade da entdeckt, in meiner eigenen Tiefe. Seit ca. 20 Jahren führe ich ein Loser-Christsein. Das ist meine Tiefe.
    Meine Tiefe besteht nicht in einer punktuellen Erfahrung in meinem Leben, ich hatte von aussen betrachtet, nie einen schweren Schicksalsschlag erleiden müssen, bis dahin. Doch trotzdem, durch viele Ablehnungserfahrungen (von Empfängnis an) und ausbleibenden Erfolgserlebnissen (oft ausgelöst auch durch meine eigenen Ängste) und vielen gut oder auch nicht gut gemeinten Worten von Christen und anderen Mitmenschen, sind mein Selbstwert und meine Lebensfreude nach und nach zerstört worden und habe keine richtige Lebenskraft mehr, trotz Gesundheit.
    Ängste, Überforderungsgefühle, Minderwertigkeit, Depressivität und innere Schmerzen und oft auch nicht gute Gefühle wie Eifersucht, Gleichgültigkeit, etc. sind mein täglicher Begleiter und treiben mich dazu einsam zu sein, trotz Familie (auch da oft schwierig, Mann krank, Adhs in Fam.) und haben mich emotional erschöpft. Es ist eine einsame und unverstandene Tiefe, weil meist mir die ‘Schuld’ zugesprochen wird, nicht genügend zu überwinden. In eine Gemeinde gehen liegt nicht drin, weil das meine Ängste und Schuldgefühle noch fördert und ich kein Gemeinschaftsgefühl entwickeln kann. Christen stressen mich, mit ihrem Evangelisationsdruck, mit dem ganzen Druck vom Empfangen, prophetisch etwas empfangen, Zungenreden, Reden über Endzeit, über die 10 Jungfrauen, das Gleichnis von den Talenten, die Lauwarmen, etc. Ich kann damit nicht umgehen. So bin ich halt Solochrist. Doch die können ja bekanntlich nicht bestehen in der Endzeit.
    Jesus Christus erlöste mich von der Angst vom Tod und was danach kommt, doch leider bin ich nicht von all diesen anderen Nöten frei, (meine Ptbs wegen emotionalem Trauma). Ja, das “Christsein” erlebte ich meist nicht als befreiend und trotzdem komme ich nicht davon los. Will ja auch nicht. 😉
    Die Gnade ist es, die mich noch im Glauben an Jesus festhält. Die Hoffnung auf Gnade ist es, die mich jeden Tag wieder zu unserem geliebten Jesus führt, obwohl er immer so weit weg scheint und ich bis dahin in ihm kein Gefühl der Sicherheit, Frieden, Ruhe und Geborgenheit gefunden habe. Ich fühle mich im Leben wie ein gehetztes Reh. Immer mit der Angst, was als nächst wieder neg. passieren könnte. Trotzdem versuche ich jeden Tag wieder neu die Gnade. Sie allein gibt mir Halt.
    Ich lasse mich immer noch durch viele Prediger verunsichern. Ich höre mir querbeet alles an. Es scheint mir, seit ich Christ bin, als würde ich 2 verschiedene Evangelien hören. Beiden tönen richtig. Diese die eine Mischung von Gesetz und Gnade predigen, das sind die meisten. Dann noch einige ganz wenige, die die reine Gnade predigen. Ich weiss nie wem ich glauben soll. Ich bin so verwirrt. Doch wegen all meiner Schwächen bleibt mir nichts anderes übrig, ich muss mir an seiner Gnade genügen lassen. Doch mein Herz kapiert es nicht.

    1. Liebe Calm Sunset,
      ich bin so froh, dass du an Gottes Gnade festhältst und weiter deinen Weg mit Jesus gehst. Auch wenn du dich nicht danach fühlst. Und ich bin mir sicher, dass es bei Gott eben nicht um unsere Gefühle geht, sondern dass wir an ihm festhalten. Dass du so an deinem Glauben festhältst, obwohl du keine Gemeinde hast zeigt deine Stärke, die du vielleicht selbst überhaupt nicht so wahr nimmst. Ja es ist schade, dass gerade Christen einen so oft überfordern oder unter Druck setzten. So sollte es nicht sein. Wir sollten uns in Liebe begegnen. Ich bete wirklich für dich, dass Gott dir Menschen über den Weg schickt, die dich verstehe, begleiten und dir die Liebe Jesu ganz neu erkennen lassen. Die dir helfen deine Verletzungen und Ängste zu überwinden, und zwar nicht aus eigener Kraft, sondern eben durch die Gnade die Gott dir jeden Tag aufs neue schenken will.
      Ich hoffe ich habe dich nicht mit religiösem Gerede voll getextet, aber ich wünsche mir von Herzen, dass du nicht mehr wie ein gehetztes Reh durch die Welt gehen musst, sondern die stolze und starke Frau wirst, die Gott schon lange in dir sieht.
      In Liebe verbunden
      Deine Eva

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